Ein Grundrezept für saftige und grobporige Ciabatta ohne Knetmaschine
Dieses Rezept habe ich für meinen ersten Einsteigerkurs zum Thema „Brötchen Backen: Luftig und Lecker auch ohne Knetmaschine“ an der örtlichen Volkshochschule kreiert. Es ist also Anfängerfreundlich, wenn man schon etwas grundlegendes Teiggefühl hat.
Vorteig und eine spezielle Zutat für mehr Saftigkeit
Ein spezieller Vorteig (Biga) bringt viel Aroma und Luftigkeit in den Teig. Trotz der relativ kurzen Reifezeit entwickelt sich so ein schönes Volumen, wie man es von italienischen Ciabattas kennt. Durch die Zugabe von Kartoffeln wird der Teig noch saftiger und bekommt eine süßliche Note. Außerdem bräunt die Kruste schön.
Dehnen & Falten für einen stabilen Teig
Wichtig bei diesem relativ weichen Teig ist das kontinuierliche Dehnen + Falten in der ersten Hälfte der Teigruhe. So wird der Teig sehr dehnbar, glatt und kann das Volumen gut halten. Dabei solltet ihr aber keine Angst vor weichen Teigen haben: Auch wenn ihr keine Knetmaschine habt, entsteht durch diesen Arbeitsschritt ein glatter und stabiler Teig.
Die häufigsten Anfängerfehler beim Dehnen & Falten von Teig:
- mit zu trockenen Händen arbeiten
- die Teigbox vorher nicht genügend einölen
- einen zu festen Teig herstellen: Diesen kann man schlechter Dehnen & Falten
- zu tief und fest mit der ganzen Hand in den Teig greifen
- den Teig nicht langziehen & Dehnen, sondern nur minimal bewegen
- den Teig relativ wahllos ineinander Kneten
So funktioniert das Dehnen & Falten, ohne dass der Teig an den Händen klebt
Nach dem Mischen gebt ihr den Teig in eine leicht eingeölte Teigbox (ich nutze rechteckige Kunststoff-Behälter von Ikea). Stellt diese mit der kurzen Seite genau vor euch auf den Tisch. Ihr könnt die Teigwanne dabei auch gegen den Bauch etwas abstützen. Benutzt vor jedem Handgriff wirklich ausreichend Wasser um die Hände zu befeuchten.
Unterfasst den Teig genau mittig an den Seiten der Box mit gestreckten Fingerspitzen und hebt ihn etwas hoch in die Luft. Der Teig dehnt sich dabei wie ein Kaugummi in die Länge, wobei ein Rest vorne und hinten in der Box haften bleibt. Das ist genau richtig so: Denn wenn ihr ihn nun noch etwas mehr nach oben und zu eurem Körper hin zieht, hält sich nur noch der hintere Teil in der Box festhält – der Vordere hängt mit in der Luft. Nun führt ihr eine leichte schwungvolle Bewegung zu eurem Körper hin aus lasst den Teig wieder nach unten fallen. Dabei legt sich der Teig selbst übereinander: Vergleichbar mit einem Kleidungsstück oder Bettbezug, dass ihr nach dem Trocknen in der Luft ordentlich zusammenfalten wollt (weil ihr keinen Platz mehr auf dem Bügelbrett habt 😉 )
Diesen Vorgang wiederholt ihr nun 1-2 mal, bis der Teig sich quasi „aufgerollt“ hat. Jetzt dreht ihr den Behälter um 180 Grad, sodass die andere Seite – die vorher noch in der Box klebte – nun zu euch zeigt. Auch hier könnt ihr nun wie oben beschrieben verfahren und faltet den Teig nun von seiner anderen Seite. Ihr könnt den Teig auch nochmal um 90 Grad drehen und ihn von der Querseite Dehnen & Falten.
Wichtig ist, nach wenigen Durchgängen pro Seite ersteinmal aufzuhören, denn der Teig ist nun gespannt und muss sich erst wieder entspannen. Dabei wird er wieder etwas breit laufen. Doch das wird mit jedem Faltvorgang weniger, bis er im Idealfall am Ende seine gegebene Form fast von Selber behält.

Die Brötchen eignen sich auch sehr gut für Alle, die im Urlaub ohne viel Zubehör backen möchten. Man kann auch lokale Mehle ausprobieren, dann sollte man mit der Wassermenge allerdings vorsichtig sein und erstmal 20g weniger Wasser verwenden.
Die Haupt-Herausforderung bei diesem Rezept ist das „richtige“ Dehnen und Falten. Du musst darauf achten, dass der Teig in der Wanne wirklich ordentlich und mit Schwung übereinandergeschlagen/ gelegt wird, ähnlich wie ein Kopfkissenbezug, den du nach dem Waschen in der Luft zusammenlegst. 😉 Nur so erhält der Teig Spannung und wird immer straffer statt labbriger. Nasse Hände und schnelle Finger sind unerlässlich, damit dein Teig nicht an dir klebt.
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No Knead Ciabatta mit Kartoffel
Schwierigkeit: Mittel12
Stück20
Minuten24
Minuten1,75-2
hSaftige Ciabattabrötchen mit gekochten Kartoffeln für noch mehr Geschmack in der No Knead Variante.
- Vorteig (Biga)
125g Weizenmehl 550
60g Wasser, kühl
0,5g Frischhefe
- Hauptteig
375g Weizenmehl 550
325g Wasser, handwarm
10g Frischhefe
100g gekochte Kartoffeln, abgekühlt
12g Salz
12g enzymINAKTIVES Backmalz (z.B. Reformhaus), alternativ Honig
- Vorteig (Biga)
- Weizenmehl, Wasser und Hefe mischen. Bei Raumtemperatur für 12-14h reifen lassen. Am Ende vergrößert sich der Vorteig etwas und riecht nussig.
- Hauptteig mischen
- Zuerst nur wenig lauwarmes Wasser in die Schüssel geben. Den reifen Biga in kleine Stücke zupfen und darin möglichst gründlich auflösen oder vermischen. Dann das restliche lauwarme Wasser zugeben.
- Alle weiteren Zutaten bis auf die Kartoffeln zugeben: Mehl, Salz, Backmalz, Hefe. Mit einem Löffel zu einem Teig vermischen bei dem keine trockenen Mehlnester mehr zu sehen sind. Gerne kann auch etwas länger geknetet werden, z.B. mit einem dänischen Teigbesen. Es ist in Ordnung wenn der Teig anfangs etwas klumpig und unregelmäßig wirkt.
- Den Teig kurz für ca. 5 – 10 Minuten abgedeckt ruhen lassen. Jetzt die gut zerkleinerten (Brei) Kartoffeln zugeben und alles nocheinmal kräftig per Hand durchmischen.
- Nochmals 5-10 Minuten abgedeckt ruhen lassen. Nach dieser Zeit sollte sich der Teig nun sichtlich dehnbarer und glatter anfühlen. Er kann jetzt entweder in eine geölte Teigwanne gegeben werden oder in der Schüssel verbleiben. Die Teigwanne macht das Dehnen & Falten viel einfacher.
- Stockgare
- Stockgare gesamt : 1,75 – 2h
Nach dem No Knead Mischprozess für ca. 1,75h bis 2h bei Raumtemperatur reifen lassen. In der ersten Hälfte muss der Teig mehrmals gedehnt und gefaltet werden – so oft wie möglich, aber immer mit ein Paar Minuten Entspannungszeit dazwischen! Später sollte der Teig dann in Ruhe reife bis das Volumen sich verdoppelt hat und an der Oberseite noch geschlossene Luftbläschen sichtbar sind. Der Teig sollte „wollig“ aber stabil sein. Wenn du die Teigwanne etwas auf die Arbeitsfläche klopfst, sollte er noch nicht einfallen. - Stückgare
- Stückgare gesamt: entfällt.
Den Teig bemehlen und vorsichtig auf die ebenfalls sehr gut bemehlte Arbeitsfläche stürzen.
Bei Bedarf die Seiten des Teiges etwas einschlagen, sodass er eine rechteckige Form erhält. Das macht das rechteckige Abstechen leichter.
Den Teig in 12 gleichmäßige Teile à 85g teilen. Dazu am Besten erst der Länge nach in 3 Teile teilen und dann die entstandenen 3 Stränge in jeweils 4 Teile teilen.
Die abgestochenen rechteckigen Teiglinge werden sofort umgedreht auf Backpapier gesetzt (glattere Seite zeigt nun nach oben) und müssen nicht geformt werden, vertragen aber auch gerne 15 – 30 Minuten Ruhezeit. - Backen
- Gesamtbackzeit: ca. 24 Minuten
Ofen gründlich auf 250 – 260 Grad Heissluft vorheizen.
Teiglinge mit reichlich Schwaden in den Ofen geben und die Temperatur sofort auf 210 Grad reduzieren.
Nach ca. 5 Minuten den Schwaden ablassen und bei 210 Grad für ca. 19 Minuten dunkel ausbacken.
Notizen

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